Niederlage für die Zuversicht

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Niederlage für die Zuversicht

SC Weiche Flensburg 08 – SV Meppen 0:1 (0:0)

29. April 2024

Der SC Weiche Flensburg 08 hat am 31. Spieltag der Regionalliga Nord gegen den formstarken Tabellendritten SV Meppen trotz einer starken Leistung eine bittere 0:1-Niederlage und damit einen weiteren Rückschlag im Abstiegskampf hinnehmen müssen. Gegen den Drittliga-Absteiger zeigte unsere Mannschaft vor 1.081 Zuschauern, darunter rund 150 lautstarken Gäste-Fans, eine beherzte Vorstellung, verbuchte deutlich mehr Abschlüsse, ließ über weite Strecken kaum etwas zu und zog am Ende doch den Kürzeren. Bei kühlem, aber trockenem Wetter waren die Gäste im Manfred-Werner-Stadion nach einer temporeichen und gutklassigen Partie letztlich die glücklichen Sieger. Selbst der Meppener Verantwortliche Adrian Alipour sprach von einem „wahnsinnig anstrengenden Sieg“, wie es ihn in der Art und Weise in der Saison noch nicht gegeben habe. Unser Trainer Torsten Fröhling, der überraschend dem mittlerweile 36-jährigen Stürmer Tim Wulff nach mehr als vier Jahren Pause (letzter Einsatz unmittelbar vor dem Corona-bedingten Saisonabbruch am 8. März 2020 in Norderstedt) zu seinem Regionalliga-Comeback verhalf, sagte: „Wir können immer darüber reden: gut gespielt oder so viele Chancen gehabt … Wir müssen sie irgendwann auch mal reinmachen.“ Die gezeigte Leistung sollte indes Mut machen und Hoffnung geben, dass Weiche in den übrigen vier Ligaspielen der Saison, die nun gewissermaßen Endspiele sein werden, den Klassenerhalt perfekt machen kann. Allerdings muss dazu dringend die Serie von nun vier Spielen ohne eigenen Treffer durchbrochen werden.

 

Knapp eine Woche nach der 0:1-Niederlage beim TSV Havelse schickte Torsten Fröhling eine auf drei Positionen geänderte Startelf auf das Feld. Für David Pfeil, Tobias Fölster und John Dethlefs (alle zunächst auf der Bank) begannen René Guder, Dominic Hartmann und Jannic Ehlers. Im Verlauf der zweiten Halbzeit wurden nacheinander Pelle Hoppe, Tim Wulff, John Dethlefs, Patrick Thomsen und Yusri El-Kandoussi eingewechselt. Das Spieltagsaufgebot wurde von Torhüter Philip Østerbæk, David Pfeil, Tobias Fölster sowie Thies Richter komplettiert. Auf der Ausfallliste standen noch immer die Rekonvaleszenten Bjarne Schleemann, Torben Marten, Marten Schmidt und Ilidio Pastor Santos. Ebenfalls nicht im Kader waren Calvin Ogara und Mika Kieselbach.

 

Auf Meppener Seite beließ es Trainer Adrian Alipour nach dem 3:0-Heimsieg gegen den SC Spelle-Venhaus bei zwei Wechsel. Abwehrspieler Bruno Soares und Stürmer Christopher Schepp ersetzten Sander van Looy (zunächst auf der Bank) und Jonathan Wensing („Gelb“-Sperre).

 

Weiche startete gut in die Partie, zeigte wenig Respekt vor den selbstbewussten Gästen. Den ersten Abschluss hatte Dominic Hartmann von halbrechts mit dem rechten Fuß, nachdem Felix Brügmann ihn von der Mittellinie geschickt hatte. Torhüter Julius Pünt parierte (5.) wie auch wenig später einen weiteren Versuch unserer Nummer 37 aus ähnlicher Position (15.). Jannic Ehlers prüfte den Schlussmann mit einem Flachschuss, den Julius Pünt sicher parierte (14.). Beim Kopfball von Felix Brügmann nach Flanke von Marcel Cornils von der rechten Seite musste der Torhüter den Ball mit den Fingern über die Latte bringen (20.). Den Eckstoß von Marcel Cornils von rechts setzte Torben Rehfeldt per Direktabnahme aus sechs Metern krachend an das Lattenkreuz (22.). Die Chancengüte hatte im Laufe der Zeit zugenommen, und eine Flensburger Führung wäre inzwischen fällig gewesen. Torben Rehfeldt platzierte wenig später einen Kopfball wieder nach Eckstoß von Marcel Cornils, diesmal von der anderen Seite, nur knapp vorbei (30.).

 

Mitten in die Flensburger Drangphase hinein jubelten nach einem Eckstoß von Tim Möller ebenso plötzlich wie nur kurz die Gäste, denn der Unparteiische gab den Treffer wegen Behinderung von Torhüter Jesper Heim nicht (27.). Kurz darauf kam Christopher Schepp zum Kopfball, konnte diesen am Fünfer aber nicht mehr auf das Tor drücken (30.). Der Tabellendritte hatte gemerkt, dass es in Flensburg gegen bissig und zweikampfstark auftretende Platzherren nicht einfach werden würde. So wurde die Partie in der Folge von beiden Seiten nicht mit offenem Visier geführt. Daher hatte nur noch Dominic Hartmann mit einem Gewaltschuss aus der Distanz von halbrechts vor der Pause einen nennenswerten Abschluss. Torhüter Julius Pünt klatschte den Ball zur Seite ab, der Nachschuss von Noel Kurzbach von rechts verfehlte das Ziel (33.). Folglich ging es nach Vorteilen auf Flensburger Seite nach temporeichen 47 Spielminuten torlos in die Pause.

 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit fehlten erst einmal die Strafraumszenen, ehe die Gäste aus dem Nichts in Führung gingen. Daniel Haritonov konnte über links Theo Behrmann andribbeln und nach außen herauspassen, Marek Janssen hatte dadurch Platz, brachte den Ball an den Fünfer, wo der zur Halbzeit eingewechselte Fynn Seidel angestürmt kam und die Kugel in den Kasten rammte (54.). Es folgte eine kurze Phase, in der Weiche geschockt wirkte und der Meisteraspirant die Vorentscheidung hätte erzwingen können. Tim Möller hätte erhöhen können, schoss aus guter Position von halblinks am langen Pfosten vorbei, wollte dabei aber eventuell auch nur quer auf den zweiten Pfosten passen (58.). Bei einem Konter mit schönem Steckpass von Marek Janssen zog Christopher Schepp davon, doch René Guder konnte erst den Stürmer entscheidend stören und dann die an SC-Torhüter Jesper Heim vorbeigespitzelte Murmel vor der Linie holen (60.). Marek Janssen hatte noch einmal mit einem Schuss eine Möglichkeit für die Gäste, scheiterte aber an Weiche-Schlussmann Jesper Heim, der sich auch den nachfolgenden Kopfball von Tim Möller pflückte (62.).

 

Weiche fing sich wieder und rüstete zum Endspurt. Meppens Torhüter Julius Pünt geriet wieder in den Mittelpunkt. Er parierte nach einem Eckstoß mit starkem Reflex beim abtropfenden Ball von Finn Wirlmann und danach gleich noch einmal beim Flachschuss aus der Drehung von Theo Behrmann aus sieben Metern (67.). Felix Brügmann setzte im Duett mit seinem Gegenspieler Bruno Soares einen Kopfball nach dem folgenden Eckstoß auf die Latte (68.). Den Schuss von Dominic Hartmann holte sich Meppens Torwart sicher (69.). Jannic Ehlers verzog von halblinks aus dem Strafraum zweimal, erst nach Zuspiel von Mohamed Cherif (71.), dann nach Zuspiel von Pelle Hoppe (79.). Und als Theo Behrmann nach einem kurz ausgeführten Eckstoß und Zuspiel von Pelle Hoppe vom Sechzehner schoss, klärte Fynn Seidel auf der Linie (83.). In der hektischen Schlussphase, in der mit dem bereits vor der Pause verwarnten Bruno Soares nach einem Luftzweikampf mit Tim Wulff noch ein Meppener mit „Gelb-Rot“ vom Platz flog (90.), drängte Weiche zwar. Doch auch in der fünfminütigen Nachspielzeit gelang keine durchdachte Aktion mehr.

 

Beim SV Meppen waren Torhüter Julius Pünt und Siegtorschütze Fynn Seidel die entscheidenden Akteure. Unsere Mannschaft trat geschlossen, ohne Ausfälle, auf. Finn Wirlmann als Dirigent der Defensivarbeit und Dominic Hartmann, der Willi Evseev ausschalten und darüber hinaus auch das eigene Offenspiel ankurbeln konnten, ragten dabei aus dem starken Kollektiv noch etwas heraus.

Auch am kommenden 32. Spieltag hat unsere Mannschaft gegen einen Kontrahenten aus dem Emsland Heimrecht. Weiche empfängt am Samstagnachmittag, 4. Mai 2024, ab 13.30 Uhr im Manfred-Werner-Stadion den Aufsteiger SC Spelle-Venhaus.

Weiche: Heim – Behrmann, Wirlmann (Kap./V/86. Thomsen), Rehfeldt, Guder – Cherif, Hartmann (86. El-Kandooussi) – Kurzbach (78. Dethlefs), Ehlers, Cornils (66. Hoppe) – Brügmann (74. Wulff). Trainer: Fröhling.

Meppen: Pünt – Prasse (46. Seidel), Karademir, Soares (90. Gelb-Rote Karte), Sprekelmeyer – Fedl (Kap.) – Evseev (89. Mißner), Möller, Haritonov (90.+1 van Looy) – Schepp (81. Eixler), Janssen (V). Trainer: Alipour.

Tor: 0:1 Seidel (54.).

Zuschauer: 1.081 im Manfred-Werner-Stadion, Flensburg-Weiche.

Schiedsrichter: Felix Bahr (SV Ahlerstedt/Ottendorf), zeigte „Gelb“ für Soares (Foul an Cornils, 24.) und Janssen (Foul an Guder, 60.) auf Meppener sowie für Wirlmann (Foul an Pünt, 84.) auf Flensburger Seite. Soares sah nach einem Foul an Wulff „Gelb-Rot“ (90.).

Trainerstimmen:

Der Meppener Trainer Adrian Alipour erklärte: „Ich muss erstmal sagen, dass wir gerade ganz tief Luft holen und durchpusten mussten, weil es ein extrem schweres, anstrengendes, richtig kompliziertes Spiel war, in dem wir wahnsinnig leiden und eine große Bereitschaft zeigen mussten, uns zu quälen. Wir haben die erste Halbzeit Flensburg fast komplett überlassen und einen wahnsinnigen Druck aushalten und einige wirklich gute Möglichkeiten überstehen müssen, sodass wir mit einem glücklichen 0:0 in die Halbzeit reingegangen sind. Wir hatten zwar ein, zwei Möglichkeiten, auch ein Tor zu erzielen. Aber auch in der Halbzeit haben wir klar angesprochen, dass wir komplett verändert rauskommen mussten, weil, wenn wir in der zweiten Halbzeit so agieren, wie es in der ersten der Fall war, wird es hier heute nichts zu holen geben. Gottseidank haben wir da zumindest den Kampf angenommen, sind etwas besser in das Spiel reingekommen, hatten einige ordentliche Ballstafetten und waren ab dem Tor komplett da. Wir hatten dann ein, zwei richtig gute Möglichkeiten, um nachzulegen. Das 2:0 haben wir verpasst. Wir haben dann auch noch Aluminium-Glück und wenn es richtig brenzlig wurde einen überragenden Julius Pünt im Tor gehabt. Es war ein wahnsinnig anstrengender Sieg, den wir sehr gerne mitnehmen. Er tut auch sehr gut, weil wir in dieser Art und Weise noch nicht gewonnen haben. Es gibt mit Sicherheit noch mal viel Selbstvertrauen für die nächsten Wochen. Torsten, wenn ihr nur ansatzweise in den nächsten Spielen so spielt, wie das heute der Fall war, werdet ihr – das ist meine Überzeugung – die Liga halten. Und dafür wünsche ich Euch auf jeden Fall viel Erfolg.“

Unser Trainer Torsten Fröhling sagte nach den Glückwünschen an seinen Trainerkollegen zum Sieg: „Ich denke, die Spieler haben nicht so damit gerechnet, dass wir so aggressiv spielen, dass wir gute Qualität heute auf den Platz gebracht haben. Ich bin da richtig stolz auf meine Mannschaft. Was soll man da jetzt groß meckern? Das einzige, was man dazu sagen kann, und das ist nun mal so: Wir können uns dafür nichts kaufen. Wir haben kein Tor geschossen, wir haben verloren, und die Spiele werden weniger. Wenn wir so weiterspielen, dann macht man sich keine Sorgen. Aber im Fußball ist es nun mal so: Wir müssen immer wieder, immer wieder diese 100 Prozent abrufen, mit dieser Leidenschaft, die meine Jungs heute gezeigt haben, mit diesem Willen, den sie gezeigt haben – das war toll. Die Mannschaft hat die ganze Marschroute umgesetzt. Das war alles gut. Problem war mal wieder dieses Gegentor. Das war clever. Die andere Sache ist eben: Wir können immer darüber reden: gut gespielt oder so viele Chancen gehabt … Wir müssen sie irgendwann auch mal reinmachen. Das ist nun mal im Fußball so: Wenn ich keine Tore schieße, kann ich nicht gewinnen. Ob das nun Pech ist, dreimal Latte oder Torwart hält gut, irgendwann – und wenn ich ihn mit dem Arsch reindrücke – muss der Ball rein. Anders geht es nicht. Zuversichtlich bin ich, das bin ich sowieso. Das werden wir rocken. Aber genauso wie heute: Wir dürfen nicht nachlassen.“

 

Auf Nachfrage zum überraschenden Comeback von Tim Wulff sagte er: „Mit Tim das war eine Entscheidung vom ganzen Verein. Wir haben uns da ausgetauscht gehabt. Der Tim war heiß ohne Ende. Er will natürlich auch helfen, dass Weiche in der Regionalliga bleibt. Er leidet mit. Er ist ein Typ, der vorangeht, der auch in der Kabine sehr wichtig ist. Das hat man von Anfang an gemerkt. Alle haben sich gefreut. Er ist Ansprechpartner, er hat die Erfahrung. Es war eine gute Entscheidung. Das hat man heute gesehen. Ich denke mal, dass er der Mannschaft helfen kann.“