3:2-Wahnsinn gegen Oldenburg
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3:2-Wahnsinn gegen Oldenburg
SC Weiche Flensburg 08 – VfB Oldenburg 3:2 (1:1)
Was für ein Wahnsinnsspiel! Was für ein Spitzentreffen der Regionalliga Nord! Was für ein Flensburger Jubel! Zur Feier des Feiertages festigte der Tabellenführer SC Weiche Flensburg 08 mit einem stimmungsvollen 3:2-Heimsieg nach zweimaligem Rückstand gegen den Top-Favoriten VfB Oldenburg den Platz an der Sonne in der Nord-Staffel der vierthöchsten deutschen Liga. Am 12. Spieltag zeigte unsere Mannschaft am Samstagnachmittag im Manfred-Werner-Stadion bei trocken-frühherbstlichem, aber weitgehend sonnigem Wetter vor 1.508 Zuschauern, darunter 180 Schlachtenbummlern aus Niedersachsen, echte Nehmerqualitäten. Nach der erstmaligen Führung spielten unsere Jungs wie entfesselt auf, sodass der VfB am Ende sogar froh sein durfte, nicht mit noch mehr Gegentreffern die Heimreise antreten zu müssen. Insgesamt hatte das Spitzentreffen alles, was in diese Kategorie gehört: sehr guter Fußball, taktische Raffinessen, viel Spannung, einen wechselvollen Verlauf, sehenswerte Tore und am Ende einen verdienten Sieger. Gäste-Trainer Dario Fossi meinte nach der feurigen Schlussphase, dass die Niederlage nur schwer in Worte zu fassen sei. Unser Cheftrainer Tim Wulff freute sich hingegen: „Für jeden, der heute hier war, war es ein packendes, ein spannendes Spiel, das wir zu unserem Gunsten ziehen konnten. Es war unterm Strich über 90 Minuten betrachtet ein absolut verdienter Sieg. Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung. Wir waren geduldig, haben dennoch nach vorne gespielt, haben Momente entwickelt und die Tore gemacht.“
Neben dem „Gelb“-gesperrten Kevin Ntika fiel mit dem verletzten Torben Marten auch sein möglicher Ersatz aus. So rückte Brandolf Duah neben Tanyel Eckstein in die Innenverteidigung. Es blieb die einzige Änderung gegenüber der Startelf vom Spiel beim Bremer SV (3:0) am vergangenen Sonntag. Erst in der Schlussphase wurden Maksym Tytarenko, Randy Gyamenah, Ilir Serifi und Bjarne Schleemann eingewechselt. Den Spieltagskader komplettierten Torhüter Nils Bock, Samuel Hust, Thies Richter, Joshua Nwokoma und der zuvor verletzte, erstmals wieder im Kader stehende Nick Selutin. Außer Kevin Ntika und Torben Marten fehlten die noch immer verletzten Uchechi Duru und Alexander Laukart im Aufgebot. Torhüter Bjarne Schneider, Daniel Schaen und Joshua Hansen standen zeitgleich in unserer U 23 im Landesligaspiel beim TSV Kropp (1:1) auf dem Rasen.
Der VfB Oldenburg musste am vorherigen 11. Spieltag durch die Absetzung der Partie beim 1. FC Phönix Lübeck pausieren, sodass noch die 1:3-Heimniederlage vor 14 Tagen gegen den SSV Jeddeloh II nachwirkte. Gegenüber der damaligen Startelf musste Dario Fossi aufgrund der „Gelb“-Sperre von Nico Knystock umbauen. Für ihn lief Nico Mai auf. Außerdem ersetzten Leon Deichmann, Anouar Adam und Glory Kiveta die bei Anpfiff auf der Bank sitzenden Louis Hajdinaj, Vjekoslav Taritas und Rafael Brand, die später allesamt eingewechselt wurden.
Besser ins Spiel kamen die Gäste, die mit dem Selbstverständnis einer Spitzenmannschaft viel eigenes Vertrauen versprühten und die ersten Abschlüsse hatten. Der Kopfball von Mats Facklam nach einer Linksflanke ging rechts vorbei (4.), und nach dem von Leon Demaj getretenen Eckstoß kam Nick Otto überraschend freistehend im Rückraum zum Abschluss, setzte die Murmel aber über die Latte (7.). In der Folge deuteten die Platzherren bei ein, zwei Umschaltaktionen ihre Gefährlichkeit an, was Wirkung erzielte. Die blau-gekleideten Gäste wurden sogleich zurückhaltender, und die Partie glich einem Schachspiel zweier verhalten auftretender Mannschaften, die jeweils auf Fehler des Gegners lauerten. So entwickelte sich ein durchaus interessantes Geschehen mit langen Ballbesitzphasen auf beiden Seiten, weil sich keiner locken lassen wollte. Das Spiel glich dem Auftreten zweier Handball-Vertretungen, die sich bei gegnerischem Ballbesitz in die eigene Hälfte zurückziehen. So fehlte es zunächst an Abschlüssen. Den ersten Fehler machte Leon Demaj gleich wieder wett, indem er einen Konter über Ibrahim Bashiru Ali unterband und deshalb „Gelb“ in Kauf nahm (33.). Kurz darauf hatte Mats Facklam die bis dahin beste Chance, doch scheiterte er an dem ihm entgegenkommenden SC-Torhüter Ronny Seibt (34.). Der nächste Fehler wurde aber bestraft. Über die linke Seite hatte der Gast Platz. Die Eingabe durch den Fünf-Meter-Raum grätschte Mats Facklam zu seinem 13. Saisontor am zweiten Pfosten erfolgreich zum 0:1 über die Linie (38.).
Die Antwort von Weiche folgte postwendend, und hier war es ebenfalls der Top-Scorer, der traf. Marcel Cornils hatte über rechts Platz, passte ins Zentrum an den Sechzehner, wo Erolind Krasniqi mit seiner Spezialität aufwartete: eine Ballannahme und ein für Torhüter Jhonny Peitzmeier unerreichbarer Abschluss ins linke Eck zum 1:1 (40.). Kurz vor der Pause hatte dann Ibrahim Bashiru Ali noch eine schöne Einzelaktion, doch sein satter Abschluss von halbrechts verfehlte das Ziel (45.+1). So ging es mit einem gerechten 1:1-Zwischenstand in die Pause. Die an Torchancen eher rar bespickte, so doch in hohem Maße interessante erste Halbzeit machte jedenfalls Lust auf eine spannende zweite. Und so kam es dann auch.
Nach dem Seitenwechsel hatte Erolind Krasniqi die erste Torannäherung. Die Kugel sprang ihm nach weitem Einwurf von Theo Behrmann vor die Füße, doch diesmal misslang die Abnahme, die das Ziel verfehlte (47.). Und in Führung gingen erneut die Niedersachsen. Einen Schuss nach Ablage von Vjekoslav Taritas konnte SC-Torhüter Ronny Seibt nicht festhalten, Mats Facklam war wachsam und staubte zu seinem bereits 14. Saisontreffer ab (54.). Die wieder postwendende Antwort verfehlte zwar Erolind Krasniqi, als er von der Mittellinie sah, dass der VfB-Torhüter weit vor seinem Kasten stand, und der mutige Versuch das Ziel verfehlte (57.), doch nur wenig später konnte unsere Mannschaft dennoch ausgleichen. Der Eckstoß von Erolind Krasniqi ging durch den Fünfmeterraum, prallte etwas in den Rückraum, wo Raul Celotto die Kugel mit Wucht nahm und zum umjubelten 2:2 in die Maschen setzte (63.). Und nur vier Minuten später war die Partie komplett gedreht. Nach einem Freistoß von Erolind Krasniqi jagte Ibrahim Bashiru Ali das Kunstleder sehenswert in den rechten Dreiangel zum 3:2 (67.).
Oldenburg war nun gefordert und legte den Vorwärtsgang ein. Doch mit Ausnahme eines Schussversuches von Glory Kiveta, der von halblinks abgefälscht knapp links vorbeiging (70.), hatte nicht mehr der Ex-Zweitligist die Chancen, sondern nur noch die Heim-Elf, die mehrfach eine Vorentscheidung vertagte. Erst war es Ibrahim Bashiru Ali, der von halbrechts nochmals quer durch den Strafraum auf halblinks zu Marcel Cornils passte, der den Ball über den Kasten setzte (78.), dann scheiterten Theo Behrmann (87.) und Ole Wagner (90.+4.) bei ihren Vorstößen von rechts und von links an dem Gäste-Torhüter, ebenso wie Maksym Tytarenko (90.+2). Auch Ilir Serifi kam bei seinem Versuch nicht an Jhonny Peitzmeier vorbei, den Nachschuss setzte Randy Gyamenah aus schwierigem Winkel neben den Kasten (90.). Und als Weiche die Murmel an der Mittellinie abfing, hätten drei Flensburger auf den Torhüter zugehen können, doch Raul Celotto versuchte es aus der Distanz mit einem Weitschuss, traf aber das verlassene Tor nicht (90.+5).
Am Ende waren all die ausgelassenen Chancen egal, weil das bärenstarke Zweikampfverhalten aller Flensburger dafür sorgte, dass Oldenburg einfach nicht mehr zum Abschluss kam. So blieb es bei einem hochverdienten Sieg der Heim-Elf.
Der VfB hatte in Nick Otto und Leon Demaj im Mittelfeld sowie im Doppeltorschützen Mats Facklam seine auffälligsten Akteure. Zudem verhinderte Torhüter Jhonny Peitzmeier in der Schlussphase mehrmals weitere Gegentreffer. Aus unserer geschlossen auftretenden, zweikampf- und laufstarken Mannschaft ohne Ausfälle seien Brandolf Duah und Raul Celotto neben dem Top-Scorer Erolind Krasniqi noch hervorgehoben.
Am kommenden 13. Spieltag ist unsere Mannschaft wieder auswärts gefordert. Sie tritt am Sonntag, 11. Oktober 2026, ab 14 Uhr im Joda-Sportpark des Aufsteigers SV Todesfelde an.
Weiche: Seibt – Behrmann, Duah, Eckstein, Wagner – Lamce (90.+4 Schleemann), Celotto – Bashiru Ali (84. Gyamenah), Krasniqi (87. Serifi), Cornils (Kap./79. Tytarenko) – Tobinski. Trainer: Wulff.
Oldenburg: Peitzmeier – Adam, Schröder, Deichmann (60. Pepshi), Mai (74. Brand) – Otto (77. Hajdinaj), Kasper (84. Schäfer), L. Demaj – Pröger (Kap./46. Taritas), Facklam, Kiveta. Trainer: Fossi.
Tore: 0:1 Facklam (38.), 1:1 Krasniqi (40.), 1:2 Facklam (54.), 2:2 Celotto (63.), 3:2 Bashiru Ali (67.).
Zuschauer: 1.508 im Manfred-Werner-Stadion, Flensburg-Weiche.
Schiedsrichter: Mika Jungclaus (TSV Lamstedt).
Verwarnungen: Cornils (Foul an Otto, 68.), Celotto (Foul an Schröder, 86.)/L. Demaj (taktisches Foul an Bashiru Ali, 33.), Kiveta (Foul an Eckstein, 50.), Schröder (Foul an Krasniqi, 58.), Adam (Foul an Krasniqi, 66.), Taritas (Foul an Tobinski, 72.), Trainer Fossi (Meckern, 73.).
Trainerstimmen:
Der Oldenburger Trainer Dario Fossi sagte: „Glückwunsch für die in meinen Augen glücklichen Punkte. Wie wir dieses Spiel verlieren, ist schwer in Worte zu fassen. Wir sind super gut ins Spiel gekommen. Wir haben heute eine Mannschaft gesehen, die wenig Fehler machen wollte und eigentlich den Ball komplett bei uns hatte. Wir hatten keine Torchancen gegen uns zugelassen. Was wir sehr gut gemacht haben: Wir haben Umschaltaktionen von Weiche sofort unterbrochen. Wir hatten sehr viel Spielkontrolle. Wir gehen dann auch in Führung – in meinen Augen total verdient, auch wenn wir vorher keine Torchancen en masse hatten, aber wir hatten zwei, drei gute gehabt. Und dann ist es Sinnbild für unsere Saison: Wir werden mit der ersten Aktion gegen uns bei eigenem Abstoß ausgekontert, sodass wir mit der ersten Torchance gleich ein Tor kriegen. Wir kommen dann aus der Pause und spielen wieder sehr ordentlich, sauber, wenig Fehler und kommen dann durch einen Torwartfehler etwas glücklich wieder zur Führung. Wir haben auch dort eigentlich alles im Griff, keine Gefahr gegen uns. Dann kommen die zwei Standardtore, und ja, wir müssen am Ende glücklich sein, dass wir nicht mehr bekommen, weil wir aufmachen. Aber wir haben drei Torchancen gegen uns und kriegen wieder drei Gegentore. Da müssen wir ran. Es kann nicht sein, dass wir hierherfahren … Die Jungs tun mir leid, weil sie in meinen Augen seit Wochen ordentlich performen und so spielen, dass sie wenig zulassen. Wir schießen ja auch Tore. Es ist ja nicht so, dass wir jedes Mal zu null verlieren. Aber was uns natürlich killt: Wir kriegen Gegentore, die wirklich viel zu einfach fallen. Mir tun die Jungs einfach leid, weil sie eigentlich nach Hause gehen und sagen könnten: ‚Heute haben wir gut verteidigt, heute haben wir zwei Tore geschossen, wir haben 2:1 gewonnen.‘ Wir müssen zusehen, dass wir das aus den Köpfen bekommen, wir müssen noch mehr arbeiten, noch intensiver, noch gewissenhafter.“
Unser Trainer Tim Wulff sagte: „Ich bin immer etwas heiser nach solchen Spielen. Ich glaube, für jeden, der heute hier war, war es ein packendes, ein spannendes Spiel, das wir zu unserem Gunsten ziehen konnten. Die Meinung von Dario (Fossi/d. Red.) teile ich nicht ganz. Ich glaube, es war unterm Strich über 90 Minuten betrachtet ein absolut verdienter Sieg. In der ersten Halbzeit war das Spiel schon taktisch geprägt. Wir kriegen ein Gegentor, kommen recht schnell zurück, haben uns geschüttelt und sind wieder im Spiel. Dann geht es wieder los, dass wir wieder zurückliegen und wiederkommen. Aber meiner Mannschaft muss ich ein Riesenkompliment machen. Sie haben nicht aufgesteckt, wir hatten auch viel Ballbesitzzeit. Von daher sage ich aus meiner Sicht: Ich bin absolut zufrieden mit unserer Leistung. Wir waren geduldig, haben dennoch nach vorne gespielt, haben Momente entwickelt, die Tore gemacht, klar auch aus Standards. Aber Standards entscheiden das Spiel. Aber auch das erste Tor ist super herausgespielt: außen kommen wir durch, von außen in die Mitte gespielt, Erold (Krasniqi/d. Red.) nimmt ihn an, mit zweitem Kontakt schießt er ihn ins lange Eck … von daher: Wenn wir die Schlussphase betrachten, wo es wild wird, wo Oldenburg aufmacht, da müssen wir noch drei, vier Tore machen. Aber unterm Strich: zu einhundert Prozent absolut verdienter Sieger heute. Ich bin sehr zufrieden heute, auch mit meinen Innenverteidigern, die wir komplett ersetzen mussten mit Brandolf (Duah/d. Red.) und Tanyel (Eckstein/d. Red.) … überragend gemacht gegen einen solch starken Gegner wie Oldenburg. So mitzuhalten mit so einer jungen Truppe, da kann man als Trainer nur stolz sein. Die Zuschauer waren auch voll da. Was die beigetragen haben, ist nicht normal für uns. Aber wir wollen uns gegen jeden starken Gegner messen. Das haben wir heute getan und gehen als Sieger vom Platz – und das absolut verdient. Oldenburg wünsche ich alles Gute für die Zukunft. Bleibt alle gesund, und wir sehen uns im Rückspiel.“