SC Weiche Flensburg 08
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„Die Mannschaft ist so stark wie die gesamte Mannschaft.“

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Unser Cheftrainer Thomas Seeliger über die lange Pause, nicht-sportliche Entscheidungen und seine erfolgreiche Mannschaft

 

Die Saison 2020/21 der Regionalliga Nord soll nach dem auf der jüngsten Videokonferenz des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV) erfassten Meinungsbild aus Sicht der Mehrheit der Vereine annulliert und der Spielbetrieb erst zur nächsten Saison wieder aufgenommen werden. Unsere Mannschaft vom SC Weiche Flensburg 08 ging nach dem 2:1-Sieg beim starken Verfolger Teutonia 05 Ottensen am 1. November des vergangenen Jahres als Tabellenführer der Nord-Gruppe der Regionalliga Nord in die zunächst auf einen Monat befristete Corona-Zwangspause. Aus dem Monat ist inzwischen fast ein halbes Jahr geworden. Solange hat auch unser Trainer Thomas Seeliger sein „Handwerk“ nun nicht mehr ausüben dürfen. Es ist eine schwierige Zeit, gerade für Trainer von Viertligisten. Wir fragten am Ende seiner ersten Saison als Chef unserer Regionalliga-Mannschaft mal bei ihm nach und trafen ihn zur Plauderei am Telefon.

 

 

Hallo Thomas, der Ball ruht ja nun in der Regionalliga Nord schon sehr lange. Das Wichtigste vorweg: Wie geht es Dir und Deiner Familie?

 

Nun gut: Wir sind alle gesund und fit. Aber wie die meisten auch sind wir von der Situation genervt. Für die Kinder ist es nicht einfach: Sie müssen sich vorher testen lassen, wenn sie Freunde treffen. Wir müssen extremst darauf achten, dass wir uns den Virus nicht in die Familie holen.

 

 

Na immerhin sind alle gesund. Bietet denn diese lange Zeit ohne Trainings- und Spielbetrieb für Trainer von Viertligisten Möglichkeiten, etwa sich weiterzubilden?

 

Naja, die Möglichkeiten sind beschränkt, weil ja in Präsenz nichts erlaubt ist. Der Westfälische Fußballverband hat zweimal montags Online-Vorträge über das Videokonferenztool Zoom als Fortbildung angeboten. Das waren interessante Vorträge und war sehr gut gemacht. Aber es waren die einzigen Male. Die Trainerlizenz wird alle drei Jahre verlängert, wenn eine bestimmte Zahl an Fortbildungsstunden erfüllt sind. Nun kann man aufgrund der Corona-Situation die Frist um ein Jahr verlängern, um die Stunden nachzuweisen.

 

Insgesamt hast Du da jedoch wenig Möglichkeiten. Klar schaut man sich Videos mit Übungen an. In der Zeit jetzt habe ich insgesamt viele Fußballspiele gesehen, um mich fortzubilden, etwa in der 3. Liga. Das ist zwar interessant, letztlich allerdings auch limitiert.

 

 

Wie siehst Du denn die bevorstehende Entscheidung des NFV, dass die Saison wahrscheinlich abgebrochen und annulliert wird?

 

Ich habe Verständnis für die Situation und die Vereine. Wenn wir die Saison jetzt wieder starten würden, brächten wir die Spieler in Gefahr, und die Vereine hätten nur Kosten, jedoch keine Einnahmen. Aus Sicht eines Trainers, auch als Spieler, finde ich es schon erschreckend ..., nein, das ist nicht das richtige Wort ... Aber es ist deprimierend. Es ist so schade. Wir sind jetzt über ein Jahr in der Pandemie. Doch es hat sich seitdem seitens der Verbände gegenüber der Politik nichts getan.

 

 

Wie schätzt Du die Situation ein, dass Weiche nicht für die 3. Liga gemeldet hat?

 

Auch da muss ich verschiedene Betrachtungen heranziehen. Aus Sicht des Vereins wäre die 3. Liga in wirtschaftlicher Hinsicht, zumal ohne Unterstützung von Politik, Stadt und Verbänden, ein großes Risiko gewesen. Am Ende des Tages hätte der Verein eine Bauchlandung erleben können, zumal Du derzeit nichts planen kannst. Daher habe ich aus Sicht des Vereins volles Verständnis für die Entscheidung.

 

Aus Sicht des Sportlers und Trainers und so, wie die Saison gelaufen ist, möchtest Du auch belohnt werden. Es hat ja keiner damit gerechnet, dass die Saison so läuft. Daher mache ich kein Hehl daraus: Als Sportler ist die Entscheidung enttäuschend. Wir wären wohl jene Mannschaft gewesen, die aufgrund der Quotientenregel in die Relegation gegangen wäre. Das heißt: So einfach wie in diesem Jahr werden wir es aus sportlicher Sicht nie wieder haben. Die Entscheidung ist also sportlich enttäuschend, aus Vereinssicht hingegen verständlich.

 

 

Und was meinst Du zur Aufstiegsfrage? Wer sollte nun aufsteigen bzw. die Relegation gegen den Vertreter der Regionalliga Bayern spielen?

 

Es ist irgendwie alles halbseiden. Einerseits wird wahrscheinlich über die Quotientenregel bestimmt, wer an der Relegation teilnimmt, aber andererseits nicht wer absteigt. Die Situation ist nicht einfach zu bewältigen, und man wird es keinem recht machen können. Es wird keine andere Möglichkeit geben, als dass der TSV Havelse die Relegation bestreitet. Aber ich kann die Kritik z. B. vom VfB Oldenburg verstehen. Die Videokonferenz des NFV mit den Vereinen hatte eine ganz andere Zielstellung, und Oldenburg meldete für die 3. Liga, weil sich eine sportliche Lösung angebahnt hatte.

 

Ich hätte mir jedenfalls einen sportlichen Weg gewünscht. Die Verbände und speziell der NFV hätten mit viel mehr Nachdruck gegen die Politik agieren müssen. Seit einem Jahr ist nichts passiert. Es ärgert mich so, dass alles so hingenommen wird. Die professioneller aufgestellten Mannschaften dürfen doch nicht dafür bestraft werden, dass sie professionell arbeiten.

 

 

Dann siehst Du die Situation im Landespokalwettbewerb vermutlich ähnlich. Da stünde ja als Nächstes unser Viertelfinalspiel beim FC Kilia Kiel an.

 

Das eine – die Liga – darfst Du nicht. Warum sollst du das andere – Pokal – dürfen? Das versteht man doch nicht. Es gibt auch die Idee, in so eine Art „Blase“ zu gehen und den Landespokal an einem Wochenende auszuspielen. Es ist alles gut und schön – dafür müssten wir vorher trainieren! So wie bisher die Politik und die Verbände gehandelt haben, kann ich mir das schwer vorstellen. Selbstverständlich möchte ich die sportliche Chance bekommen, um im DFB-Pokal antreten zu können. Deshalb würde ich mir wünschen, schnellstmöglich ins Training zu gehen, um unsere Mannschaft einigermaßen in einen Fitnesszustand zu versetzen, sodass wir dann bestehen können. Und trotzdem hätten wir irreguläre Verhältnisse, wenn man an den VfB Lübeck denkt, der komplett im Spielrhythmus ist. Doch mir wäre der sportliche Weg mit ungleichen Bedingungen dennoch lieber, als wenn der DFB-Pokalteilnehmer aus Schleswig-Holstein aufgrund der Entscheidung des Landesverbandes ermittelt werden würde.

 

 

Dann kommen wir nun besser zu erfreulichen Dingen. Vielleicht kannst Du mal zu Deiner ersten Saison als Cheftrainer unserer Regionalliga-Mannschaft ein paar Einschätzungen im Sinne einer Saisonbilanz geben? Wie siehst Du die Leistungen unserer Mannschaft?

 

Das kann man eigentlich nur alles sehr positiv bewerten. Nach den erfolgreichen Jahren unter Daniel Jurgeleit hatte es im vergangenen Sommer erstmals einen größeren Umbruch gegeben. Wir hatten viele junge Spieler dazugeholt. Es gab bei einigen Fans sogar ernsthafte Bedenken, was da auf unsere neue Mannschaft jetzt zukommen würde. Ich war da allerdings immer guter Dinge. Wir hatten ein Gerüst mit hoher Qualität. Und das Ziel war ja nicht, um die Meisterschaft mitzuspielen. Wir wollten in der Hauptrunde unter die ersten Fünf kommen, um uns dann für die Meisterrunde zu qualifizieren. Klar hatten wir auch manchmal etwas Glück gehabt. Trotzdem: Die Mannschaft wuchs viel schneller zusammen, alle hatten Spaß an der Arbeit, in Training und Spiel. Die Spielfreude war einfach da. Wir haben zudem die Art, Fußball zu spielen, etwas umgestellt. Ich möchte eher offensiver spielen und mehr agieren als reagieren. Es ging darum, erst nach vorn zu spielen und nicht immer „hintenherum“. Die Mannschaft hat das – möglicherweise mit etwas Skepsis am Beginn – relativ schnell umgesetzt. Manche Spieler waren anfangs vielleicht verunsichert, bis sie dann gemerkt haben, dass es funktioniert. So sind wir in einen Flow-Zustand gekommen. Aber wir sind noch nicht am Ende und können uns weiter verbessern.

 

 

... und wo können wir uns verbessern?

 

Einerseits können wir uns im Schiebeverhalten verbessern, sodass wir auch im Ballbesitz eine Absicherung haben und nicht in Gefahr geraten, in Konter zu laufen. Oder das Anlaufverhalten im Angriffspressing ... Das sind alles keine großen Dinge, aber viele kleine Rädchen.

 

 

Wer hat Dich positiv überrascht?

 

Es ist schwierig, einzelne Spieler hervorzuheben. Wir haben eine ausgesprochen gute Saison gespielt, und das liegt an der gesamten Mannschaft, also auch an denjenigen, die nicht so im Fokus standen, aber im Training gut gearbeitet haben. Wie sage ich so schön: „Eine Mannschaft ist so stark wie die gesamte Mannschaft.“ Wir hatten kaum verletzte Spieler. So war es für die anderen Spieler, dann unheimlich schwierig, in die erste Elf reinzukommen, weil es zum Beispiel um Automatismen geht, und wenn die erste Elf nicht enttäuscht hat, gibt es keinen Grund zu wechseln. Ich kann sagen: Alle haben Gas gegeben. Das fördert enorm die Qualität, weil alle immer am Limit trainieren müssen. Wir hatten meistens 24 und mehr Spieler beim Training. Daher geht ein Riesenkompliment an die gesamte Mannschaft. Leider konnten sich manche gar nicht so sehr zeigen.

 

Aber wenn Du so fragst: Die jungen Spieler, bei denen man nicht wusste, ob sie es schaffen werden, haben überrascht. Ich erzähle mal eine kleine Geschichte zu Noel Kurzbach. Er war selbst sehr skeptisch, ob er schaffen wird. Ich habe ihn vor etwa einem Jahr mal angerufen und gefragt: „Noel, wie sieht es bei Dir aus? Möchtest Du Oberliga oder Regionalliga spielen?“ Er sagte: „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich Regionalliga spielen. Allerdings habe ich doch bereits in der Oberliga gesehen, was mir fehlt.“ Und so hat er sich gefragt, ob er es packt. Ja, aber wenn er es nicht geschafft hätte, hätten wir ihn doch immer noch zu unserer U 23 schicken können.

 

Die jungen Spieler haben sich einfach super gut eingebracht. Nehmen wir einen Bjarne Schleemann oder einen Malte Petersen, der mit Torge Paetow und Patrick Thomsen zwei Strategen vor sich hatte. Und dann fiel Pedi (Patrick Thomsen/d. Red.) in Lüneburg aus, und Malte machte ein Riesenspiel. Oder Martin Pitter hat es richtig gut gemacht. Es hat menschlich wie sportlich halt gepasst.

 

Es hat kein Spieler enttäuscht. Ich könnte sie alle nennen, den Casper Olesen, Marcel Cornils oder auch Jonas Walter, die ein paar Schwankungen hatten. Dazu kommen Florian Kirschke im Kasten, Ilidio und Kevin Njie über die Außen, Patrick Thomsen und Torge Paetow im Abwehrzentrum, Dominic Hartmann, Nico Empen, der sich in allen Belangen den Arsch aufgerissen hat, Christopher Kramer, der erst etwas später so richtig in Fahrt kam, Jonah Gieseler ... oder auch Kevin Schulz und Finn Wirlmann darf ich nicht vergessen, dazu Florian Meyer und Raphael Straub sowie Jacob und Mathias Andersen. Und jetzt laufe ich in Gefahr, jemanden nicht genannt zu haben.

 

 

Ich weiß jetzt, dass Du keinen herausheben möchtest. Aber dann versuche ich es mal so: Zur Wahl zum Fußballer des Jahres in Schleswig-Holstein sind mit Florian Kirschke, Torge Paetow und Dominic Hartmann drei Weiche-Spieler nominiert. Meinst Du, dass die Journalisten, die diese Vorauswahl vornahmen, da richtig lagen?

 

Nein! Pedi (Patrick Thomsen/d. Red.) hätte definitiv dazugehört. Er hat wie ein Uhrwerk gespielt.

 

Es ist schwierig, Spieler auf sehr hohem Niveau hier hervorzuheben. Florian Kirschke etwa hat super gehalten. Aber es zehren letztlich alle davon.

 

 

Du bist ja in der Trainer-Kategorie selbst nominiert. Was meinst Du, wie Deine Chancen stehen bei der Wahl zum Trainer des Jahres in Schleswig-Holstein?

 

Naja, der Trainer von Holstein Kiel ist noch ganz anders im Fokus. Holstein sorgt in der 2. Liga und im DFB-Pokal für Furore. Die Nominierung ist aber eine Wertschätzung der Fachpresse für die geleistete Arbeit. Ich finde es klasse, es ehrt mich. Man hat mitbekommen, dass in Flensburg gut gearbeitet wird. Von daher ist das völlig okay. Allerdings ... letztlich muss ich ein Kompliment an das gesamte Funktionsteam geben. Alle haben hervorragend konstruktiv und eigenverantwortlich zusammengearbeitet. Das hat mir die Arbeit sehr erleichtert und sorgt für den Erfolg als Gesamtteam, weil die Jungs sehen, dass es ein echtes Funktionsteam ist, das mit Spaß mit ihnen arbeitet. Ein Dank geht zum Beispiel an Marc Böhnke. Unser Fitnesstrainer arbeitet aktuell ein- bis zweimal pro Woche mit den Jungs.

 

 

Vielleicht sollten wir auch schon einmal einen kleinen Ausblick wagen. Werden wir 2021/22 wieder eine so positive Rolle spielen können?

 

Wir haben eine Mannschaft mit gutem Charakter und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Wenn wir diese Mannschaft in den wesentlichen Zügen so zusammenhalten können, müssen wir für die kommende Saison keinen gestandenen Spieler mehr dazu holen. Dann genügt es, wenn wir den Kader vielleicht noch um einige junge Talente ergänzen. Es wird sicherlich nicht so sein, dass wir alle Spiele gewinnen werden. Wir werden Spiele auch verlieren, aber wenn wir den Kader im Wesentlichen so zusammenhalten, werden wir eine gute Mannschaft haben. Es hat jedenfalls in der Konstellation viel Spaß gemacht.

 

Wichtig ist, dass wir als SC Weiche Flensburg 08 unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, die 3. Liga zu erreichen. Das sollten wir nicht vergessen.

 

 

Du hast ja Deine Mannschaft schon lange nicht mehr trainieren dürfen. Spürst Du da eigentlich so etwas wie Neid, wenn vor Deiner Haustür unser Ligarivale Eintracht Norderstedt trainieren darf?

 

Nein, ich spüre da keinen Neid. Letztlich ist es berechtigt, das Norderstedt trainiert, weil es semiprofessioneller Fußball ist. Erstaunlich ist eher, dass wir nicht trainieren. Ich würde mit meiner Mannschaft gern auf dem Platz stehen.

 

 

Danke, Thomas, für das ehrliche Gespräch. Hoffen wir, dass wir alsbald wieder mehr über aktuellen Fußball und die Spiele unserer Mannschaft reden können und weniger darüber spekulieren müssen, wie und wann es wieder los- bzw. weitergehen kann ...

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