SC Weiche Flensburg 08
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Die Angst des Torwarts vor ... dem sauren Apfel

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Unser Schlussmann Florian Kirschke über seine Befürchtungen zu einem möglichen Saisonabbruch und die Sehnsucht nach Freitagabendspielen unter Flutlicht im Manfred-Werner-Stadion

 

Nach dem 2:1-Sieg bei Teutonia 05 Ottensen am 1. November des vergangenen Jahres ging unsere Mannschaft, der SC Weiche Flensburg 08, als Tabellenführer der Nord-Gruppe der Regionalliga Nord in die zunächst auf einen Monat befristete Corona-Zwangspause. Doch seitdem sind inzwischen fast fünf Monate vergangen, und in der Regionalliga Nord rollt noch immer kein Ball. Wann es weitergehen wird, ist ungewisser denn je. Mit jeder Woche Pause wird ein Saisonabbruch wahrscheinlicher. Daraus werden allerdings weitere Probleme entstehen, etwa die Suche nach gerechten Lösungen in Meisterschafts-, Auf- und Abstiegsfragen. Unsere Mannschaft hat als Spitzenreiter ihrer Staffel selbstverständlich Ambitionen auf den Titel. Lange war nichts mehr von ihr zu hören. Wie sieht es aktuell bei unseren Weiche-Jungs aus? Wir fragten mal bei unserem Stammtorhüter Florian Kirschke nach und trafen ihn zur Plauderei am Telefon.

 

 

Hallo Florian, wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Wie geht es Dir?

 

Ja, gut ... ich komme gerade vom Laufen rein, bin sozusagen noch etwas außer Atem. Doch was soll man sagen? Die Pandemie mit dem langen Lockdown zehrt ja an uns allen. Aber ich bin gesund.

 

 

Das ist schön. Wie viel bist Du denn gerade gelaufen? Oder anders: Wie hältst Du Dich im Moment fit? Mannschaftstraining ist doch zurzeit nicht ...

 

Also ganz lockere acht Kilometer und ohne Zeit war ich heute unterwegs. Man könnte auch sagen: Über acht Kilometer habe ich „meinen Kadaver geschleppt“. (lacht) Das bedeutet: etwas mehr als in einem Spiel. Da laufe ich ja weniger, weil ich viel mit dem Auge und gutem Stellungsspiel wettmache. (lacht noch schelmischer) Die Mannschaft hält sich sonst oft über zum Teil kurzfristig angesetzte Online-Kurse mit unserem Fitnesstrainer Marc Böhnke fit. Wenn ich da aus zeitlichen Gründen nicht kann, muss ich halt selbst etwas tun.

 

 

Wie siehst Du denn derzeit eine mögliche Saisonfortsetzung?

 

Also bis zur vergangenen Woche war ich noch optimistisch. Ich dachte, dass es bald auch bei uns mit Training losgehen kann. Aber jetzt mit den wieder steigenden Inzidenzwerten, gerade auch in Flensburg, und den Nachrichten denke ich schon, dass es nichts mehr werden wird. Das ist betrüblich. Die vergangenen Tage haben mich deutlich pessimistischer gestimmt.

 

Und dann wird es echt schwierig. Was wird entschieden, wenn es zum Saisonabbruch kommt? Wir haben viele Punkte geholt und eine gute Ausgangsposition. Also das muss man schon so festhalten: Wir haben in dieser Saison etwas geleistet, was nicht umsonst sein soll. Ich weiß deshalb nicht, wie man das fair lösen möchte. Es scheint sich ja abzuzeichnen, dass man die Saison nicht zu Ende spielen kann. Aber irgendwie muss man schon für seine Leistungen belohnt werden. Wir haben hart gearbeitet, wir haben auch auf viel verzichten müssen, um zu diesen Leistungen zu kommen. Und wenn Du nach neun Spielen 24 Punkte hast, ist das schon etwas. Wenn man jetzt die Saison einfach so abbricht und die 24 Punkte verfallen, wäre das schon sehr enttäuschend. Wenn unsere starken Saisonleistungen einfach so gestrichen werden würden, weil die Saison abgebrochen und nicht gewertet wird, fände ich es nicht korrekt. Wir haben ja etwas richtig Gutes geleistet. Das muss ich mal so sagen.

 

Die Situation ist einfach schwierig, hier eine faire Lösung zu finden. Und ich fürchte, dass jemand in den sauren Apfel beißen muss, weil es keine gerechte Lösung für alle Mannschaften geben wird – und ich ahne, dass wir das dann wären.

 

 

Das kann wohl jeder nachvollziehen. Wie sieht es denn in der Mannschaft aus? Wie hat sie die Nachricht aufgenommen, dass Weiche nicht für die Dritte Liga melden wird?

 

Da gibt es nur eins: volle Rückendeckung für Christian Jürgensen. Eine solche Entscheidung in seiner ersten Saison als Geschäftsführer Sport gemeinsam mit Harald Uhr treffen zu müssen, ist hart und mutig. Davor muss man den Hut ziehen. Wir als Mannschaft wissen, dass gerade Harald und Jürgi doch alles dafür getan hätten, dass wir uns sportlich für die Dritte Liga qualifizieren und dann dort spielen könnten. Jürgi war viele Jahre Kapitän der Mannschaft. Da weiß man das. Darauf muss man vertrauen, und das tut die Mannschaft. Die Spieler haben dem Verein viel zu verdanken. Und Harald Uhr hat in all den Jahren so viel für die Spieler getan. Er hätte uns das niemals verbaut, wenn es nicht dafür gute Gründe geben würde. Und die gibt es ja.

 

 

Und was meinst Du zur Aufstiegsfrage? Wer sollte nun aufsteigen bzw. die Relegation gegen den Vertreter der Regionalliga Bayern spielen?

 

Auch hier: Die Situation ist schwierig. Wie möchte man hier eine gerechte Lösung finden, wenn klar ist, dass man die Saison nicht zu Ende spielen kann? Schon wenn man sich fragt, wie ein Relegationsteilnehmer aus dem Norden ausgespielt werden soll, wird es schwierig. Und da habe ich gestaunt, wer so alles für die Dritte Liga gemeldet hat. Da sind dann Mannschaften dabei, da könnte man sagen, die hätten „aus einer Laune heraus“ gemeldet. Andere, wie der TSV Havelse, Werder Bremen II oder wir, haben jahrelang gut und kontinuierlich gearbeitet. Die hätten eine solche Chance verdient.

 

 

Und was sagst Du zum Landespokal? Da sind wir ja noch dabei, sollen im Viertelfinale beim FC Kilia Kiel spielen.

 

Keiner will den Pokal geschenkt bekommen. Aber irgendwas muss geschehen. Ich sage ganz klar: Wir wollen als Weiche im Lostopf sein, wenn die erste Runde im DFB-Pokal-Wettbewerb ausgelost wird. Doch auch hier wird es schwer werden, eine Lösung zu finden. Einige Mannschaften sind gar nicht im Training, andere trainieren, und der VfB Lübeck wiederum ist im regelmäßigen Spielbetrieb. Hier wird es kaum gelingen, gleiche Voraussetzungen für alle Mannschaften zu schaffen. Und doch: Wir wollen trotzdem die Chance haben, das Ding zu gewinnen. Und eine vorstellbare Lösung wäre ja, dass der Landespokal erst im Juli oder August zu Ende gespielt wird. Dafür müsste der DFB mitmachen und den Meldetermin nach hinten verschieben. Und dann würde ich auch akzeptieren, dass im Lostopf zur ersten Runde nicht „SC Weiche Flensburg 08“ auf dem Los stünde, sondern nur „Landespokalsieger Schleswig-Holstein“. Und diesen könnte man sogar noch eine Woche vor der DFB-Pokalrunde ermitteln.

 

 

Was würdest Du Dir von Politik und DFB wünschen?

 

Man kann ja die Corona-Pandemie nicht einfach „wegdiskutieren“. Die Politik macht, was sie machen muss. Und vom DFB würde ich mir mehr Flexibilität wünschen, siehe eben zum Beispiel die Frage nach dem Teilnehmer am DFB-Pokalwettbewerb der kommenden Saison.

 

 

Du hast ja noch bis Juni 2022 Vertrag bei Weiche. Freust Du Dich darauf, dass irgendwann noch mal Spiele im Manfred-Werner-Stadion unter Flutlicht und mit vielen Zuschauern möglich werden?

 

Wenn man als Kicker an Fußball denkt, denkt man genau an das: Freitagabend, Flutlicht, starker Gegner, nasser Boden, viele Zuschauer, die Tribüne voll mit Weiche-Fans, die uns unterstützen. Man denkt dann nicht an Training. (schmunzelt)

 

 

In der aktuellen Saison hast Du gerade mal sechs Gegentreffer hinnehmen müssen ... Hast Du diese Tore eigentlich noch vor Augen? Beschäftigt Dich das?

 

Ich bin immer selbstkritisch und wüsste jedes der sechs Gegentore und könnte die Entstehung schildern. Darüber denkt man nach, weil irgendwie ist ja jedes Tor auch zu verhindern. Und wirklich: Bei jedem hätte man etwas machen können, selbst bei den beiden Elfmetertoren (von Moritz Kwarteng/HSV II bei der einzigen Saisonniederlage). Es ist aber normal als Torwart, dass man so denkt. Man findet da immer etwas.

 

 

Danke, Florian, für das Gespräch und dann hoffen wir gemeinsam, dass wir bald wieder richtig guten Fußball bei uns im Manfred-Werner-Stadion sehen können mit all dem, was Du aufgezählt hast: Freitagabend, Flutlicht, nasser Rasen und viele Weiche-Fans ...

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