SC Weiche Flensburg 08
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Pokal-Wahnsinn in Lübeck: Weiche rockt die Lohmühle!

  Spielinfo

Was für ein Spiel, was für eine Moral, was für ein Abend! Dreimal lag unsere Elf im Viertelfinalspiel um den Landespokal beim Liga-Rivalen VfB Lübeck zurück, und selbst im Elfmeterschießen vermochte sie es zunächst nicht, in Führung zu gehen, obwohl die Schützen von Weiche immer zuerst antraten. Doch am Ende des langen Flutlichtabends an der Lohmühle triumphierten die Nordlichter, die damit die kleine Serie von drei Niederlagen gegen den VfB beendeten und sich zudem für die verlorenen Endspiele von 2012 und 2016 an gleicher Stelle revanchierten. Für Spieler, Verein und die mehr als 60 Fußballfans aus Flensburg wurde es zu einem unvergesslichen Abend voller Spannung und Dramatik. Doch es wurde kein Drama. Nachdem René Guder den letzten Elfmeter des SC verwandelt und das Weiterkommen perfekt gemacht hatte, herrschte Freude pur bei Mannschaft und mitgereisten Fans. Im Halbfinale, das am 3. Oktober gespielt werden soll, muss der SC Weiche nun zum Oberligisten SV Todesfelde. 

Der erst am Vortage von Holstein Kiel verpflichtete Rückkehrer René Guder sowie Florian Meyer rückten für Jannis Pläschke und Fiete Sykora in die Startelf. Auf den zweiten Neuzugang der jüngsten Zeit, Dominik Hartmann, verzichtete Trainer Daniel Jurgeleit genauso noch wie auf Jannik Drews, Fabian Arndt und Hendrik Ostermann. Sie waren aber wie die beiden Langzeitverletzten Kevin Schulz und Finn Wirlmann ebenfalls im Stadion an der Lohmühle vor Ort. Für beide Mannschaften – die hohen Favoriten im verbliebenen Feld der Pokalteilnehmer – ging es in diesem letzten Viertelfinalspiel um sehr viel, sprachen doch nicht wenige schon von einem „vorweggenommenen Endspiel“. 

Zwar begann unsere Mannschaft in den ersten Minuten gut, doch der VfB Lübeck konnte früh in Führung gehen. Nach einem Fehlpass von Jonas Walter konnte VfB-Neuzugang Hoins, der in der vergangenen Saison schon bei der U 23 von Hannover 96 sehr auffällig war, Florian Kirschke im Weicher Tor prüfen (5.). Nachdem der folgende Eckstoß in höchster Not wieder zum Eckball abgeblockt wurde (6.), passierte es. Zwar wurde die Flanke abgewehrt, aber der zweite Ball wieder scharf gemacht, Hoins stand goldrichtig, besorgte die frühe Führung der Heimischen (7.). Das war ein echter Stimmungsmacher für den VfB und seine zahlreichen Fans in der größten Fußballarena Schleswig-Holsteins. 

Die erste Halbzeit blieb höchst unterhaltsam und temporeich. Beide Mannschaften boten guten Fußball an und sie hatten Möglichkeiten. Die Lübecker agierten vor allem über Hoins, der auf links zuweilen sehr viel Platz hatte, gradlinig und gefährlich. Löffler zielte wieder von links aus spitzem Winkel am Kasten vorbei (15.) und verfehlte auch bei einem schnellen Konter über Hoins das Weiche-Tor (41.). Unsere Mannschaft wirkte vor der Pause hingegen vielleicht fußballerisch etwas reifer und gefälliger. Und allzu lange musste Weiche auf den verdienten 1:1-Ausgleich auch nicht warten. Nachdem Nico Empen nach langem Einwurf von Torge Paetow an Torhüter Gommert noch gescheitert war (9.), konnte er wenig später den VfB-Schlussmann im Nachsetzen überwinden. Zuvor hatte Gommert den harten 19-m-Schuss von René Guder nur nach vorn abwehren können, der Zugang vom FC St. Pauli war blitzschnell da, traf zu seinem ersten Pflichtspieltreffer für Weiche (18.). 

Auch danach schlug Weiche die fußballerisch etwas feinere Klinge, auch wenn die Chancen selten hochkarätig waren. Junior Ebot-Etchi zielte bei einem zu kurz abgewehrten Eckstoß vom Strafraumeck am Lübecker Kasten vorbei (25.). Auch René Guder, der nach langem Pass von Patrick Thomsen schon an Torwart Gommert vorbei, aber auch nach rechts abgedrängt war, brachte die Kugel aus spitzem Winkel nicht im Tor unter (28.). So blieb es beim 1:1 zur Pause. 

Der zweite Spielabschnitt begann aus Flensburger Sicht ähnlich unglücklich wie der erste. Noel zwang nach einer Eingabe von der linken Seite SC-Torhüter Florian Kirschke zur Parade (50.), beim folgenden Eckstoß landete erneut der zweite Ball bei den Marzipanstädtern, die ihn wieder von halbrechts scharf machten; am zweiten Pfosten drückte Noel – an der Grenze zum „Abseits“ – die Kugel zum 2:1 über die Linie (51.). 

Nun wurde die Partie merklich giftiger (insgesamt sechs Gelbe Karten für den VfB, zwei für Weiche) und zugleich offener. Während Gomig aus der Distanz den Kasten verfehlte (57.), traf auf der Gegenseite Nico Empen nach Zuspiel von Florian Meyer auch nur das Außennetz (58.). Weiche tat sich nun sichtlich schwerer, sich Chancen zu erspielen, während die Gastgeber Raum zum Kontern hatten. Die beste VfB-Gelegenheit versiebte Isitan, der nach Vorarbeit von Deichmann die Kugel aus 14 Metern in die zweite Etage drosch (64.). SC-Trainer Daniel Jurgeleit erhöhte das Risiko, brachte erst Jannis Pläschke (60.), dann mit Tim Wulff einen nominell dritten Angreifer (66.) und schließlich auch noch Tayfun Can (75.). Dennoch: Weiche rannte an, schien aber nichts mehr einzufallen; Lübeck besaß die besseren Gelegenheiten. Doch wie aus dem Nichts traf dann Nico Empen von halbrechts scharf und flach in die lange Ecke zum umjubelten 2:2-Ausgleich (81.). 

In der Schlussphase musste Florian Kirschke noch zweimal zupacken, lenkte erst einen 22-m-Schuss von Hoins noch um den Pfosten (84.), war dann bei einem Flachschuss im Nachfassen zur Stelle (89.). Unsere Mannschaft hoffte indes bei einer Eckballserie in der Nachspielzeit auf den entscheidenden Treffer, doch es ging in die Verlängerung. 

Und wieder hatte Lübeck einen glänzenden Start. Zwar meldete sich auch noch einmal Weiche offensiv zu Wort, doch an die Eingabe von Tim Wulff von rechts kam Nico Empen im Zentrum nicht heran (94.). Auf der Gegenseite hatte Florian Kirschke zunächst einen Schuss von Löffler sicher pariert (92.), war dann aber chancenlos, als Richter gegen eine völlig entblößte Weiche-Deckung über links auf und davon stiefeln und vor dem SC-Torhüter dann nach rechts passen konnte, wo Hoins keine Mühe hatte, die Kugel zum 3:2 zu versenken (96.). Sollte es das dann gewesen sein? Aus der Traum vom Landespokal? Isitan hätte eigentlich schon alles klarmachen können, traf aber das Tor nicht (99.). Doch kurz nach dem letzten Seitenwechsel kam – wieder beinahe aus dem Nichts – Weiche erneut zurück. Nach Vorarbeit von René Guder und Tayfun Can traf Nedim Hasanbegovic zum dritten Ausgleich (106.) in einem Spiel, das mittlerweile schon dramatische Züge angenommen hatte. Zwei Mannschaften kämpften wie angeschlagene Boxer im Ring, auf der Suche nach dem vermeintlichen K.-o.-Schlag; beide sichtbar mit den Kräften eigentlich am Ende. Schon nach 70 Minuten hatte es die ersten Spielunterbrechungen nach Wadenkrämpfen gegeben. Nun taumelte ein Großteil der Spieler dem definitiven Ende der Partie entgegen. Der Lübecker Schlussmann Gommert rettete mit zwei Paraden, erst beim Abschluss von Tayfun Can nach langem Solo von Torge Paetow (118.), dann beim Kopfball vom Christian Jürgensen nach Freistoßeingabe von Tayfun Can (120.+1), seinen VfB ins Elfmeterschießen. 

Das war allerdings noch nicht genug an Dramatik. Auch das Schießen vom Punkt hätte aus Weiche-Sicht kaum ungünstiger beginnen können. Jonas Walter setzte den ersten Schuss gewaltig über den Kasten; Lübeck ging durch Halke in Führung. Nachdem Christian Jürgensen souverän den Ausgleich erzielt hatte, hielt Florian Kirschke zwar den Schuss von Weißmann, doch auch Patrick Thomsen schaffte es nicht, unsere Mannschaft erstmals in Führung zu bringen; er scheiterte an Torhüter Gommert. Nachdem Löffler den Ball sehr leichtfertig über das Tor gelupft hatte, brachte Tayfun Can dann unseren SC erstmals überhaupt in dieser Partie in Front. Weil Florian Kirschke im Anschluss einen zweiten Elfmeter, diesmal den von Gomig parierte, konnte René Guder plötzlich zum Siegtorschützen avancieren. Er tat es – der Rest war Flensburger Jubel. 

Auffälligster Akteur bei den Gastgebern war Hoins, der die meiste Gefahr ausstrahlte und unsere Abwehr oft vor Probleme stellte. Außerdem fiel der agile, sehr lauffreudige Löffler auf, wobei er beim Entscheidungsschießen vom Punkt mit dem Lupfer über das Tor für Lübecker Frust sorgte. Bei unserer geschlossen auftretenden, nie aufsteckenden Mannschaft konnten sich Florian Kirschke, Torge Paetow, Patrick Thomsen und Doppeltorschütze Nico Empen noch besonders empfehlen. Auch Rückkehrer René Guder – mit der Vorarbeit zum ersten Ausgleich und dem Schlusspunkt im Elfmeterschießen – fiel positiv auf. 

Nach diesem 120-minütigen kraftintensiven Pokalkampf ist unsere Mannschaft am kommenden Sonntag (20.08.17, 15.00 Uhr) im Liga-Alltag beim Lüneburger SK Hansa gefordert. Der LSK ist zwar wie im Vorjahr wieder stark in die Saison gestartet, doch nach den jüngsten Erfolgserlebnissen sollte Weiche bei den Niedersachsen nicht chancenlos sein. Im Pokal wartet im Halbfinale – dann voraussichtlich erst am 3. Oktober – die Aufgabe beim SV Todesfelde. Nachdem jetzt zweimal das Elfmeterschießen herhalten musste, um die nächste Runde zu erreichen, geht es zur Nervenschonung vielleicht dann auch mal über nur 90 Minuten. Die Chance ist jedenfalls da, dass der SC Weiche Flensburg 08 im Mai 2018 wieder auf die Lübecker Lohmühle muss – dann zum Finale des Landespokalwettbewerbs. 

Weiche: Kirschke – Paetow, Walter, Jürgensen (Kap.) – Hasanbegovic (V), Thomsen – Ebot-Etchi (66. Wulff), F. Meyer (60. Pläschke), Pastor Santos (75. Can) – Guder (V), Empen. Tore: 1:0 Hoins (7.), 1:1 Empen (18.), 2:1 Noel (51.), 2:2 Empen (81.), 3:2 Hoins (96.), 3:3 Hasanbegovic (106.).
Elfmeterschießen: Walter über das Tor, 1:0 Halke, 1:1 Jürgensen, Weißmann gehalten, Thomsen gehalten, Löffler über das Tor, 1:2 Can, Gomig gehalten, 1:3 Guder. 
Zuschauer: 1.369, darunter mindestens 60 Flensburger, im Stadion an der Lohmühle, Lübeck. 
Schiedsrichterin: Susann Kunkel (SV Eichede), bewältigte die Aufgabe, ein Spiel mit zwei hoch engagierten Mannschaften zu leiten, insgesamt sehr ordentlich.

Jubel über den Sieg in Lübeck.